Freitag, 30. Dezember 2011

Die Jahresuhr steht niemals still.

Am letzten Tag im alten Jahr beginnt immer die Jahresendmelancholie. Passend dazu schreibt Axel Hacke unter der Rubrik "Das Beste aus aller Welt" einen Bericht über Silvesterrituale. Recht hat er, wenn er sagt: "Feiern Sie nicht, ohne dies gelesen zu haben!"

"Vor Monaten las ich in der Zeitschrift Der Freitag einen Aufsatz des britischen Anthropologen Robin Dunbar, der ausführlich erklärte, warum der Mensch sich aufgrund seiner Gehirnstruktur nicht dafür eignet, in Gruppen zu leben, die größer als 150 Leute sind. Dunbar, der dieses Phänomen vor einer ganzen Weile entdeckte (man nennt die 150 auch die Dunbar-Zahl), konnte das sehr schön belegen: 150 sei die typische Gruppengröße in Jäger- und-Sammler-Gesellschaften, auch englische Dörfer seien sowohl im 11. als auch im 18. Jahrhundert etwa so groß gewesen, [...] selbst im Militär sei die Kerngruppe, nämlich die Kompanie, etwa so groß. Im Durchschnitt hätten wir etwa 120 bis 130 Freunde, davon fünf sehr enge, weitere zehn gute, 35 »Einfach-nur-Freunde«, der Rest Bekannte. 150 Leute – das heißt: Wir sind mit der Gesellschaft, in der wir leben, heillos überfordert. Wir sind dafür nicht gemacht. [...] Zu viele Kontakte. Man wird aggressiv, depressiv, regressiv, sehnt sich nach einem Sofa und einer Schulter, an die man sich lehnen kann. Diese hysterische, sich vor Epidemien und Inflationen ängstigende, ständig irgendwelche Rücktritte fordernde, in Internetforen herumpöbelnde Gesellschaft krankt am Übermaß an Sozialkontakten."

Was kann man tun? Axel Hacke berichtet von einer Untersuchung, die der Psychologe Gabriel Radvansky angefertigt hat. "Es ging um ein Phänomen, das jeder kennt: Man betritt einen Raum, um dort etwas Bestimmtes zu tun, aber kaum hat man die Schwelle überschritten, steht man da mit hängenden Armen und weiß nicht, was dieses Bestimmte war, das man tun musste."

Das Ergebnis war: "Radvansky sagt, die Türschwelle funktioniere tatsächlich wie eine Ereignisschranke. Sobald man sie überschreite, schließe das Gehirn quasi mit dem alten Raum ab und konzentriere sich auf den neuen."

Übertragen auf die Silvesterhysterie heißt das wohl: "Punkt zwölf machen wir den Schritt über die Schwelle, wir nehmen unsere fünf besten Freunde an der Hand und gehen gemeinsam. Das heißt: Am letzten Tag des Jahres erinnern wir uns rituell an die Beschränkungen unserer Gehirne, unserer Gedächtnisse und unserer Zeit."

"Und dann: Vor uns ein neuer Raum, ein leeres Jahr. Und auch die doch bei näherer Betrachtung ganz wunderbare Frage: »Was wollte ich hier?«."

Und alles geht weiter.
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